Wissenswertes rund um Sanitärversorgung

Wissen rund um die Toiletten - einfach erklärt

In unserem Wissensbereich erklären wir wichtige Begriffe und Zusammenhänge rund um Sanitärversorgung, Abwasser, Wasserverbrauch und wasserlose Toiletten. Die Inhalte richten sich an alle, die Hintergründe besser verstehen und sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten.

Disclaimer: Wir stützen uns auf Quellen der DWA, den Vereinten Nationen und dem Bundesumweltministerium. Bei einigen Werten und Angaben gibt es unterschiedliche Betrachtungen und damit auch abweichende Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen. Auch entwickeln sich Themen weiter und neue Erkenntnisse kommen hinzu.  Sollten Ihnen Inhalte auffallen, die nicht mehr auf dem neuesten Stand sind, freuen wir uns über einen Hinweis.

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Sanitärversorgung

Was bedeutet Sanitärversorgung?
Sanitärversorgung umfasst die Bereitstellung und Nutzung von Toiletten sowie den sicheren Umgang mit Ausscheidungen, Wasser und Abwasser. Sie gehört zu den grundlegenden Infrastrukturen moderner Gesellschaften und trägt wesentlich zu Gesundheit, Hygiene und Lebensqualität bei.

Öffentliche Sanitärversorgung stellt Toilettenangebote für Bürgerinnen, Bürger und Touristen bereit. Sie ermöglicht die Nutzung öffentlicher Räume und trägt zur Aufenthaltsqualität und gesellschaftlichen Teilhabe bei.

Typische Standorte sind Parks, Wanderparkplätze, Badeseen, Friedhöfe und touristische Einrichtungen.

Nicht jeder Standort verfügt über eine Kanalisation. Sanitärversorgung ohne Kanalanschluss ermöglicht Toilettenangebote auch dort, wo eine klassische Erschließung technisch schwierig oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Typische Beispiele sind Wanderparkplätze, Freizeitgelände, Wochenendhäuser, Tiny Houses oder abgelegene öffentliche Standorte.

Resiliente Infrastruktur beschreibt Systeme, die auch unter wechselnden Bedingungen zuverlässig funktionieren. Im Bereich der Sanitärversorgung bedeutet dies, dass Toiletten unabhängig von Kanalisation, Strom und hohem Wasserverbrauch betrieben werden können.

Dadurch lassen sich neue Standorte erschließen und bestehende Infrastrukturen ergänzen oder entlasten.

Wasserlose Sanitärsysteme kommen ohne Spülwasser aus und ermöglichen eine Sanitärversorgung unabhängig von Kanalanschlüssen. Durch die zusätzliche Trennung von Urin und Feststoffen können Stoffströme gezielt erfasst und gespeichert werden.

Sie kommen heute in privaten, gewerblichen und öffentlichen Anwendungen zum Einsatz.

Bei der zentralen Sanitärversorgung werden die Stoffströme über Kanalisation und Kläranlagen gesammelt und behandelt.

Bei der dezentralen Sanitärversorgung erfolgt Sammlung, Speicherung oder Behandlung direkt am Standort. Dadurch können Sanitärlösungen auch ohne Kanalanschluss umgesetzt werden.

Abwasser

Abwasser
Die Grafik zeigt die verschiedenen Schmutzwasserströme in einem Wohnhaus.

Laut Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist Abwasser (a) das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser sowie (b) das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser.

Das häusliche Abwasser ist für uns entscheidend und besteht ferner aus Schwarzwasser und Grauwasser.

 

Die Grafik zeigt wie häusliches Schmutzwasser entsteht. Die zwei entscheidenen Abwasserströme sind Grauwasser aus Küche, Bad, etc. und Schwarzwasser, das Abwasser der Toilettenspülung.

Schwarzwasser ist das Ablaufwasser aus Wasserspültoiletten (WC). Es besteht aus Fäkalien (Urin + Fäzes) und dem Spülwasser. Dabei belasten unsere Ausscheidungen dieses Wasser häufig stark und maßgeblich. 

Grauwasser ist das gesamte restliche Abwasser, wenn es fäkalienfrei und niedrig belastet ist (EN 12056-1). Es kommt vor allem aus dem Bad und teilweise aus der Küche. Hierzu gehört also das Wasser vom Händewaschen und Duschen genauso wie das Abwasser der Waschmaschine. 

Grauwasser ist nicht so stark belastet wie das Schwarzwasser. Zu stark belastetes Wasser aus der Küche mit z.B. viel Fetten zählt ebenfalls nicht mehr als Grauwasser. 

Die Schmutzwassermenge beträgt 90 – 150 Liter je Einwohner am Tag. Es besteht zu 1,2% aus Urin (1,5 l) und zu 0,1% aus Fäzes (140 g). Diese 1,3% Fäkalien spülen wir im WC mit der ca. 20-fachen Wassermenge weg. Das entspricht in etwa 35 Liter pro Tag und Person.

Durch die Vermischung mit dem Grauwasser erhöht sich die Gesamtmenge nochmal deutlich. Damit entsteht das Stoffgemisch Schmutzwasser.

Fäkalkeime gelangen fast ausschließlich über die Fäkalien und das WC in das Schmutzwasser. Diese stammen aus den 0,1 Vol.% Fäzes im Schmutzwasser, da Urin im Normalfall keimarm ist.

Die ersten drei Reinigungsstufen in einer Kläranlage entfernen diese Keime zum Großteil. Vor der Einleitung in Gewässer mit besonderen Nutzungsanforderungen, wie Badegewässer, wird außerdem in ausgewählten Kläranlagen die so genannte Hygienisierung (4. Reinigungsstufe) durchgeführt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Isar. 4. Reinigungsstufen werden laut der kommunalen Abwasserrichtline (KARL) in Zukunft mehr und mehr zum Standard. 

Wenn die Fäzes nicht mehr ins Abwasser kämen, sinkt die Belastung mit pathogenen Fäkalkeimen entscheidend.

Arzneimittelreste und Drogenrückstände gelangen fast ausschließlich über die Fäkalien in das Schmutzwasser. Gerade der Urin ist vielen von uns dafür bekannt (Stichwort: „Doping-Kontrollen im Sport“).

Die Entfernung der Arzneimittelreste (Teil der 4. Reinigungsstufe) wird indessen nur in wenigen Ausnahmefällen durchgeführt. Die Kosten hierfür sind sehr hoch und eine komplette Entfernung von allen Arzneimittelgruppen ist kaum möglich. Die Nachrüstung der Kläranlagen führt in Zukunft zu steigenden Behandlungskosten, so dass auch die Abwassergebühren steigen werden. Ein Teil der Kosten für die 4. Reinigungsstufe soll laut der kommunalen Abwasserrichtline (KARL) über die Erzeuger eingeholt werden. 

Diese Belastung von Arzneimittelresten und Drogen sinkt ebenfalls durch die Abtrennung der Fäkalien deutlich.

In Körperpflegeartikeln als auch in unseren Waschmitteln sowie in unserer Kleidung befinden sich Tenside und Mikroplastik. Diese beiden kritischen Stoffgruppen befinden sich im Grauwasser, also dem Wasser aus Küche und Bad. 

Ausscheidungen

Allgemein

Jeder Mensch muss täglich mehrmals aufs Klo. Die Häufigkeit ist dabei sehr unterschiedlich und hängt sowohl von der jeweiligen Person als auch der jeweiligen Nahrung ab. In dieser Kategorie des Wissenswertes gehen wir auf die Basis ein.

Im Durchschnitt scheidet jede Person pro Tag 1,5 Liter Urin aus (und sollte zwischen 2 und 3 Litern trinken).

Da unsere Blase bei einer Fassung von 0,3 bis 0,5 Liter zu „drücken “ beginnt, folgt daraus, dass jeder von uns im Normalfall 4 bis 7 Mal pro Tag zur Toilette zum Pinkeln muss. Ferner ist die Blase der Frau meistens kleiner als die des Mannes.

Wer mehr trinkt, muss natürlich auch häufiger.

Beim großen Geschäft verhält es sich etwas anderes, weil unser Darm recht groß und sehr flexibel ist.

Es gilt zwar, dass 1x pro Tag das Optimum sein soll, jedoch trifft dies nicht bei vielen Menschen zu. Eine Regel, die sich hier etabliert hat, ist die „3-3 Regel“. Diese besagt, dass die meisten Menschen auf der Welt zwischen 3x am Tag bis 3x in der Woche Stuhlgang haben. Wichtig dabei ist, eine Routine bzw. wiederkehrendes Muster zeugt häufig für einen gesunden Darm. 

Hierbei scheidet ein Mensch im Durchschnitt 140 g Fäzes aus. Bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung fallen sogar bis zu 400 g Fäzes an.

Wertstoffe im Abwasser

Wertstoffe im Schmutzwasser

Unsere Ausscheidungen haben nicht nur negative Aspekte, sondern auch verschiedene Elemente, die wir wiederverwenden können und sollten. Dabei hat der Mensch im letzten Jahrhundert den natürlichen Kreislauf dieser Elemente teilweise durchbrochen. 

Die Grafik zeigt die organische Verschmutzung im häuslichen Abwasser. Hierbei kommt ein Großteil des Kohlenstoffs aus unseren Fäzes.

Kohlenstoff ist das organische Element und daher ist es auch in unseren Ausscheidungen vorhanden.

Obwohl die Fäzes nur ein Tausendstel des Gesamtvolumens des Abwassers ausmachen, gelangen so über die Hälfte der organischen Inhaltsstoffe in das häusliche Schmutzwasser.

Der Abbau organischer Stoffe – die vollbiologische Reinigung – ist gesetzlicher Mindeststandard jeder Kläranlage. Mikroorganismen bauen dabei die organische Fracht ab, dafür muss ständig Luft eingetragen werden – der energieintensivste Schritt der Abwasserreinigung. Ein Teil des Kohlenstoffs entweicht dabei als CO2.

Der entstehende Klärschlamm wird in Deutschland meist erst zur Methangewinnung ausgefault und dann verbrannt. Teilweise sind lange Transportwegen zu den wenigen Mono-Verbrennungsanlagen notwendig. Der Methanertrag fällt dabei geringer aus als bei unverdünnten, unvergorenen Fäzes.

Die organische Fracht im Abwasser stammt zu etwa gleichen Teilen aus Ausscheidungen und aus Grauwasser. Eine Quellentrennung von Urin und Fäzes – bei rund 60 Litern Fäzes pro Person und Jahr – entlastet die Kläranlage also spürbar, ersetzt aber nicht die Grauwasserbehandlung komplett. Genau hier setzt ABEREUS an: die kleinen, konzentrierten Mengen direkt zur Biogas-, Kompost- oder Biokohle-Produktion nutzen, statt sie zu verdünnen und aufwendig wieder herauszuholen.

Auf der Grafik wird die Herkunft des Stickstoffs in unserem häuslichen Abwasser dargestellt. Hier fällt ein Großteil auf den Urin zurück.

Etwa 90% des im Schmutzwasser enthaltenen Stickstoffs entstammen dem Schwarzwasser. Genauer noch, der Urin trägt zu 80% bei.

Die Nährstoffentfernung (3. Reinigungsstufe) wird generell für große Kläranlagen und bei Einleitung in sensible Gewässer gefordert. Das geschieht über Nitrifikation und Denitrifikation, energieintensive Prozesse, bei denen der Stickstoff am Ende einfach als Gas in die Atmosphäre entweicht. 

Zur gleichen Zeit betreiben wir in der Landwirtschaft enormen Energieaufwand, um genau diesen atmosphärischen Stickstoff per Haber-Bosch-Verfahren wieder einzufangen – als Dünger. Wir holen Stickstoff also mit viel Energie aus dem Abwasser raus, nur um ihn mit noch mehr Energie wieder aus der Luft zu holen.

Diesen doppelten Aufwand kann man sich sparen: Stickstoff lässt sich direkt aus Urin zurückgewinnen – deutlich effizienter, wenn der Urin als separater, unverdünnter Stoffstrom vorliegt. Genau das ermöglicht eine Trockentrenntoilette.

Auf der Grafik wird die Herkunft des Phosphors in unserem häuslichen Abwasser dargestellt. Hier fällt ein Großteil auf das Schwarzwasser zurück. Wobei hier ein größerer Teil beim Urin und ein weitere Teil bei den Fäzes ist. Das Grauwasser spielt eine untergeordnete Rolle.

Etwa 75% des Phosphors gelangen aus den Fäkalien in das Schmutzwasser. Davon kommen 50% aus dem Urin und 25% aus den Fäzes.

 Die Nährstoffentfernung (3. Reinigungsstufe) wird für große Kläranlagen sowie bei Einleitung in sensible Gewässer gefordert.

Phosphor ist in seiner einfach nutzbaren Form begrenzt verfügbar. Es ist ein essentieller Nährstoff, denn ohne Phosphor gibt es kein Wachstum von Pflanzen, Tieren oder Menschen. Die weltweit abbaubaren Phosphatvorkommen sind endlich. Eine Rückgewinnung aus unseren Ausscheidungen wird deshalb künftig auch von der EU gefordert.

Gleichzeitig reagieren Gewässer empfindlich auf Phosphor: Schon geringe Mengen können Algenwachstum begünstigen und zur Eutrophierung beitragen, wie in einen See urinieren. Genau deshalb lohnt es sich doppelt, Phosphor nicht erst im Abwasser zu verdünnen, sondern direkt an der Quelle aufzufangen und als Dünger zurückzugewinnen.

Toilettentypen

Allgemein

Es gibt diverse Arten von Toiletten. Wir setzen verschiedene Lösungsansätze seit Jahrtausenden um, um unsere Ausscheidungen „verschwinden“ zu lassen.

Wissenswertes ganz konkret: Die ersten Wassertoiletten wurden übrigens bereits vor über 4.000 Jahren eingesetzt, also keine so moderne Erfindung. 

Die meisten von uns kennen Dixi oder ToiToi. Es gibt natürlich auch noch andere Hersteller. Diese Toiletten nutzen ein chemisches Gemisch mit Wasser, um unsere Ausscheidungen geruchstechnisch auszuschalten und alle biologischen Prozesse zu unterbinden. Unsere Ausscheidungen werden so auch teilweise desinfiziert. Auf diese Weise sind die Stoffe eine Zeit lang „lagerbar“. 

Verschiedene Toiletten nutzen ein so genanntes Einstreu. Diese soll vor allem den Geruch und die Feuchtigkeit unserer Ausscheidungen binden. Außerdem verdeckt es die Sicht auf die Fäzes der vorhergehenden Person. 

Einstreu besteht häufig aus Spänen, Heu oder anderen natürlichen Stoffen. Die Fäzes werden dabei durch den Feuchtigkeitsentzug über die Zeit sehr fest. 

Eine Komposttoilette versucht, die Ausscheidungen direkt in der Toilette bzw. Sanitäranlage zu kompostieren oder für die Kompostierung vorzubereiten. Hierfür muss ein präzises Maß an Feuchtigkeit im Auffangbehälter erreicht werden. Darüber hinaus müssen möglicherweise Zusatzstoffe, ähnlich denen in der Einstreutoilette, durch den Nutzenden hinzugefügt werden.

Einige gasförmige Bestandteile der Fäkalien verdunsten meist, flüssige Bestandteile werden häufig separat abgetrennt.

Ob die Verwendung der Reste als Komposterde erlaubt ist, muss im Einzelfall geklärt werden.

Manche Toiletten werden als Komposttoiletten bezeichnet, ohne dass im Auffangbehälter direkt eine Kompostierung stattfindet. Die Idee ist dann, dass die Stoffe auf einen Kompost entsorgt werden können.

Eine solche Kompostierung ist in Deutschland nur unter sehr spezifischen und strengen Voraussetzungen mit Genehmigungen erlaubt.

Trenntoiletten separieren durch einen einfachen Einbau Urin und Fäzes („No-mix“-Toiletten).

Diese Trennung ist für viele Toilettenarten möglich. Beide Stoffe fallen so getrennt an. Für den Urin wird hierbei auch kein Spülwasser benötigt, sondern lediglich für die Fäzes. Der Urin ist konzentriert und kann einfach weiterverarbeitet werden. 

Bei einer Trockentoilette wird auf den Einsatz von Spülwasser verzichtet, daher der Name „Trocken“. Eine Weiterverarbeitung der Stoffe ist so einfacher möglich und es wird kein Wasser verbraucht. Die meisten Einstreu- und Komposttoiletten sind auch Trockentoiletten.

Trockentrenntoiletten sind eine Kombination aus Trockentoiletten und Trenntoiletten. Es handelt sich also um eine Toilettenlösung, die sowohl kein Wasser benötigt als auch die Stoffe getrennt aufnimmt. 

Unser Konzept beruht auf genau diesem Toilettentyp, um hierüber mehr zu erfahren, empfehlen wir daher unsere Seiten und Produkte genauer anzuschauen. 

Die meisten Toiletten in Booten, Flugzeugen oder Zügen sind Vakuumtoiletten. Diese nutzen etwas Wasser (ca. 1 Liter) und ein Vakuum, um unsere Ausscheidungen in einen Behälter zu saugen. Diese Behälter werden im kommerziellen Bereich bei allen größeren Stopps mit dem Reinigungsablauf entleert. 

Hier werden die Ausscheidungen direkt verbrannt. Die notwendige Energie wird meistens über eine Stromzufuhr erzeugt. Der Energieverbrauch ist bei diesen Toilettenlösungen meistens sehr hoch. 

Zurück bleibt am Ende nur ein kleiner Haufen Asche, welcher im Restmüll entsorgt werden kann. 

Diese Lösungen sind vor allem für Nutzende gedacht, die wenig Platz haben und sofort eine Hygienisierung wollen.

Die „moderne“ Toilette, wie wir sie heute kennen, wurde im 19. Jahrhunderts zum Massenprodukt und nutzt Wasser als Transportmedium. Daher kommt auch die englische Abkürzung WC, welches für „water closet“ steht. 

Es gibt hierbei noch verschiedene Unterscheidungstypen, wie Flachspüler bzw. Tiefspüler. 

Je nach Typ und Baujahr benötigt eine solche Toilette zwischen zwei und 15 Litern Wasser pro Spülgang. In den meisten Fällen nutzen wir hierfür Frischwasser. 

Wasser

Allgemein

Wasser ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H). Wir sprechen deshalb auch von H2O. 

Es ist die Grundlage für das Leben auf der Erde. Viele biologische Vorgänge laufen ferner dank Wasser ab. 

Trinkwasser gehört zu den wertvollsten und wichtigsten Lebensmitteln. Es kann nicht ersetzt werden. 

Als Trinkwasser gilt jedes Wasser, das zum Trinken, Kochen oder zur Zubereitung von Speisen und Getränken genutzt wird. 

In Deutschland gibt es gleich mehrere Verordnungen, die sich mit der Güte und der Versorgung von Trinkwasser beschäftigen: DIN 2000,  Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und die Allgemeine Verordnung für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV). Trinkwasser ist die „höchste Qualitätsstufe“ von Wasser im rechtlichen Sinne.

Frischwasser bezeichnet neues, unbenutztes und sauberes Wasser. Frischwasser ist nicht zwangsläufig Trinkwasserqualität (z. B. Frischwasser auf einem Boot oder in einer Prozessanlage kann auch Betriebswasserqualität haben). Der Begriff beschreibt also mehr die Funktion im System (neu zugeführt) als eine gesetzlich definierte Qualität.

Nichttrinkwasser beschreibt in der DIN jegliches Wasser, das nicht die Anforderungen erfüllt und somit kein Trinkwasser ist. Also zum Beispiel Regenwasser, Betriebswasser und auch bestimmte industrielle Prozesswässer fallen darunter.

Niederschlagswasser, das z. B. über Dachflächen gesammelt wird. Es ist kein Trinkwasser und darf ohne Aufbereitung nicht als solches genutzt werden, eignet sich aber gut als Betriebswasser (z. B. Gartenbewässerung, WC-Spülung). Es resultiert also aus der Herkunft. Dies hat nichts mit der möglichen Verwendung noch mit den möglichen Anforderungen zu tun. 

Betriebswasser ist jegliches Wasser das eine technische Aufgabe erfüllt. Dieses Wasser kann für eine Heizung in einem Gebäude, für eine industrielle Anlage oder für die Landwirtschaft sein. 

Je nach Aufgabe handelt es sich zu Beginn auch um Trinkwasser. Jedoch schwindet dieser Status mit dem Betrieb. 

Der Vollständigkeit halber auch hier nochmal das Abwasser: Eine genauere und detaillierte Beschreibung ist unter Wissenswertes / Abwasser zu finden. 

Häusliche Infrastruktur

Allgemein

Die meisten Häuser und Wohnung in Deutschland haben ein Bad mit einer Toilette und Dusche bzw. Badewanne. Es gibt verschiedene Arten angeschlossen zu werden. Wir erklären in diesem Abschnitt von Wissenswertes.

Die bekannteste Art in Deutschland ist der Anschluss an die lokale Kanalisation. Dies trifft auf die meisten Gebäude in Deutschland zu. Je nach Region ist der Anschlussgrad zwischen 50 und 99%. 

Die Toiletten nutzen alle Wasser als Transportmedium. Der Inhalt des Kanals fließt in das nächste kommunale Klärwerk. 

Eine weitere häufig genutzt Anschlussart ist die Sammelgrube. Hierbei ist die Infrastruktur im Haus genauso oder zumindest sehr ähnlich wie bei einem Kanalanschluss. Das Abwasser wird nur statt in den Kanal in eine lokale Grube geleitet.  Diese sammelt die Stoffe und ein Saugfahrzeug entleert sie in einem bestimmten zeitlichen Rhythmus. Die Stoffen kommen im Normalfall per Fahrzeug in ein lokales Klärwerk.

Auf der Grafik ist eine private Kleinkläranlage (Dreikammergrube) und einen Pflanzenkläranlage abgebildet. Von links nach rechts wird schematisch der Ablauf vom häuslichen Schmutzwasser über die Dreikammergrube und Pflanzenkläranlage zum Ablauf dargestellt.

Auch der Bau und Betrieb seiner eigenen kleinen Kläranlage ist möglich. Die örtlichen Behörden müssen diese entsprechend genehmigen. Ein möglicher Aufbau könnte in etwa so aussehen.

Das fäkalienhaltige Schmutzwasser wird zunächst über eine Dreikammergrube mit einem Nutzvolumen von 1,0-1,5 m³/Einwohner gereinigt. In ein- bis dreijährigem Abstand wird der Inhalt der Grube in eine kommunale Kläranlage abgefahren.
Das vorgereinigte Abwasser wird dann schwallweise auf das Pflanzenbeet geleitet.
Die Ablaufwerte unterschreiten die gesetzlichen Mindestanforderungen an vollbiologisch gereinigtes Abwasser.  Deswegen kann dieses nun in einen Bach oder Fluss eingeleitet, versickert oder zur Beregnung genutzt werden.
Die Größe der Oberfläche des Pflanzenbeets beträgt 4-5 m² je Einwohner, zuzüglich 1-2 m² für Umrandung.

Auf der Grafik ist eine Pflanzenkläranlage in Kombination mit unserem TTC abgebildet. Von links nach rechts wird schematisch der Ablauf vom häuslichen Grauwassers über die Pflanzenkläranlage zum Ablauf dargestellt.

Durch die Nutzung einer ABEREUS Toilettenlösung fällt in einer privaten Kläranlage kein Schwarzwasser mehr an. Daher können Sie hier auch eine reine Pflanzenkläranlage einsetzen. Dies könnte wie folgt aussehen.

Die Anlagen berücksichtigen die besonderen Eigenschaften von Grauwasser und sind dafür optimal ausgelegt.
Diese Pflanzenkläranlage arbeiten deswegen ohne ein Vorreinigung, wie die Dreikammergrube. Der Bau ist erheblich vereinfacht  und die  Entsorgung des Schlamms entfällt. Eine Vorreinigung zur Entfernung von Grobstoffen ist als spezieller organischer Filter in die Anlage integriert. Die Größe der Oberfläche des  Pflanzenbeetes beträgt 3 m² je Einwohner, zuzüglich 1-2 m² für Umrandung. Diese sind seit über zehn Jahren erfolgreich in Betrieb.
Das Ablaufwasser ist nicht nur vollbiologisch, sondern weitergehend gereinigt und kann in einen Bach oder Fluss eingeleitet, versickert oder zur Beregnung genutzt werden.

Kommunale Infrastruktur

Allgemein

Die Infrastruktur für Wasser und Abwasser unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Regionen. In der „westlichen Welt“ ist sie teilweise stark ausgebaut und daher hier der Schwerpunkt in unserem Bereich Wissenswertes. 

Die Kanalnetze sind gigantisch in ihrer Gesamtgröße. In Deutschland geht man von einem Kanalnetz mit über 600.000 km aus. Das wäre so viel wie 15x um die Erde. Obwohl wir unser deutsches Netz bereits sehr stark ausgebaut haben und viele Haushalte am System angeschlossen sind, werden ca. 5.000 km Kanal pro Jahr zusätzlich verlegt. 
Wir unterscheiden im Abwasserbereich zwei Arten von Netz, ein Misch- und ein Trennsystem. Bei dem Trennsystem wird das Regenwasser in einem anderen Kanal transportiert, als das häusliche und industrielle Abwasser. Dieses ist das moderne und kostenintensive System. Im Süden Deutschlands ist das ältere Mischsystem noch vorrangig. 

Um Abwasser zu den Klärwerken zu bekommen, läuft das Wasser sehr leicht und ständig bergab. Da dies gerade im flachen Land durchaus schwierig ist, gibt es immer wieder Pump- und Hebewerke, die das Abwasser auf ein höheres Niveau befördern, so dass es dann wieder abfließen kann.

Regionen im Flachland haben daher viele solcher Pump- und Hebestationen, während gerade im Süden, wo es hügeliger ist, weniger solcher Stationen gibt und das natürliche Gefälle genutzt wird. 

Das Herz eines jeden modernen Kanalnetzes ist am Ende eine Kläranlage. Diese hat bis zu 5. Klärstufen. 

  1. Klärstufe – Mechanisch: Rechen, Siebe und Sandfang entfernen größere Gegenstände.
  2. Klärstufe – Biologisch: Bakterien bauen organische Stoffe im Belebtschlamm ab.
  3. Klärstufe – Nährstoffbeseitigung: Stickstoff wird biologisch über Nitrifikation und Denitrifikation entfernt, Phosphor meist chemisch ausgefällt.
  4. Klärstufe – Spurenstoffbeseitigung: Diese Klärstufe ist neuer und noch in der Erprobung, welche Verfahren am effizientesten sind. Über Aktivkohle oder Ozonung sollen Medikamentenreste, Hormone und teils auch Keime herausgeholt werden. Wird zusammen mit der 5. Klärstufe zukünftig in der EU gefordert.
  5. Klärstufe – Mikroplastik: Oft mit Stufe 4 kombiniert, etwa über Mikrosiebung.
 
Das gereinigte Wasser fließt fast nie direkt zurück ins Trinkwassernetz, sondern in der Regel in ein natürliches Gewässer, wie ein Fluss oder See. Nur in einigen Ausnahmefällen mit zusätzlichen Aufbereitungsschritten wird es für eine erneute Nutzung bereitgestellt.

Ein Wasserwerk bereitet das Frischwasser für unsere Leitungen auf. Die Rohstoffquelle sind meist Brunnen (Grundwasser), Talsperren oder Uferfiltrat – Wasser, das beim Durchsickern von Gestein und durch Mikroorganismen bereits auf natürliche Weise gereinigt wird.

 

Im Wasserwerk selbst folgen Kontrolle und je nach Quelle weitere Aufbereitungsschritte – der Aufwand reicht von minimal bei sauberem Grundwasser bis zu mehrstufigen Verfahren bei Oberflächenwasser. Erst wenn das Wasser den strengen Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht, wird es ins regionale Leitungsnetz eingespeist. Dies geschieht in Deutschland typischerweise ohne Chlorung.

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